Dürrenberg 4
97084 Würzburg
Deutschland
Über die Beträume/Synagogen vom 16. bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts liegen kaum Informationen vor. Eine erste größere Synagoge wurde zwischen 1693 und 1698 am Dürrenberg erbaut. Nach der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie zunehmend baufällig und war zu klein für die steigende Zahl der Gemeindeglieder.
1780 wurde eine neue Synagoge gebaut. Die in barockem Stil erbaute Synagoge war die größte fränkische Synagoge ihrer Zeit, ein herausragendes Gebäude im damaligen Heidingsfeld. Die Bauakten, die sich im Würzburger Staatsarchiv befanden, sind bei der Bombardierung Würzburgs im März 1945 verbrannt. Jedoch liegen einzelne Berichte aus jüdischen Periodika mit Beschreibungen der Heidingsfelder Synagoge vor.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude in Brand gesteckt und völlig zerstört. Der Frau des Synagogendieners war in der Nacht zum 10. November befohlen worden, die Synagoge zu öffnen. Beim Brand der Synagoge wurden alle wertvollen, noch vorhandenen Ritualien zerstört, darunter gold- und silberbestickte Toraschrein-Vorhänge vom Beginn des 18. Jahrhunderts, Kupferleuchter aus dem 17. Jahrhundert, zwei fein gearbeitete Schabbat-Leuchter (die zu beiden Seiten der Heiligen Lade an mit Laub und Bandwerk geschmückten schmiedeeisernen Armen hingen), zahlreiche schön bestickte Toramäntel, silberne Torakronen, Gebetbücher usw.
Die Umfassungsmauern der zerstörten Synagoge standen bis in Traufhöhe noch bis nach Kriegsende. Das daneben stehende verputzte Fachwerkhaus der jüdischen Schule sowie die barocke Umfassungsmauer des gesamten Areals blieben gleichfalls bis nach 1945 erhalten (Hinweis Thomas Wüstefeld vom 2.9.2015).
1956 wurde das Synagogengrundstück beziehungsweise das ganze Quartier neu bebaut (zwei Wohnhäuser). Statt des umfriedeten Grundstücks mit Grünraum und Einzelbauten entstand eine geschlossene Blockrandbebauung, die jede Erinnerung an die Vorkriegsbebauung negiert. In unmittelbarer Nähe (beim Gebäude Dürrenberg 1) wurde im Dezember 1986 von der Stadt Würzburg eine Gedenksäule aufgestellt. Der Schaft symbolisiert die Geschichte des Volkes Israel; Er ist mehrfach gewaltsam unterbrochen. Stilisierter Stacheldraht und Tränen aus Bronze stehen für die leidensvollen Epochen in der Geschichte auch der Heidingsfelder Juden. Die sechs Teile der Säule sind Symbol für die sechs Millionen in der NS-Zeit ermordeten Juden. Die Inschriften lauten: „Gottlose Menschen zerstörten am 9. November 1938 die hier gestandene Synagoge", „Zur Erinnerung an den Leidensweg der jüdischen Gemeinde", in Hebräisch „Zur Erinnerung an die heilige Gemeinde in Heidingsfeld".
Der Hochzeitsstein (Chuppa-Stein) der Heidingsfelder Synagoge blieb erhalten und wurde in die Außenmauer der 1970 eingeweihten Würzburger Synagoge (Valentin-Becker-Str. 11) integriert und befindet sich inzwischen im neuen „Jüdischen Museum Würzburg" bei der Synagoge Valentin-Becker-Straße 11.
"Gottlose Menschen zerstörten am 9. Nov. 1938 die hier gestandene Synagoge"/ "Zur Erinnerung an den Leidensweg der jüdischen Gemeinde" / auf Hebräisch: Zur Erinnerung an die Heilige Gemeinde Heidingsfeld".