Weinhof 2
89073 Ulm
Deutschland
1867 erwarb die jüdische Gemeinde an der Nordseite des Weinhofes zum Preis von 32.752 Gulden das Anwesen des Gerbers Eberhard Fromm, auf dem ein großes Haus mit Hintergebäude stand (Grundstücke Weinhof 2 und 3). Die neue Synagoge wurde nach den Plänen von Architekt und Stadtbaurat Adolf Wolff aus Stuttgart im maurischen Stil (damals auch als „streng byzantinischer Stil" bezeichnet) als Backsteinbau mit Maßwerk in Haussteinen errichtet. Am 12./13. September 1873 fand die feierliche Einweihung mit Festgottesdienst und Predigt von Rabbiner Wälder aus Laupheim statt. Von allen Seiten wurde die Synagoge bei ihrer Fertigstellung als „Meisterwerk" und als eine der „schönsten Zierden der Stadt Ulm" gepriesen. In den 1920er Jahren wurden der „orientalisierende" Bau und vor allem die goldglänzenden Rundkuppeln im Ulmer Stadtbild sowohl von jüdischer als auch vor allem von nichtjüdischer Seite als zu „fremdländisch" empfunden. 1927 trat das Stadtschultheißenamt an die jüdische Gemeinde mit der Anregung heran, die Synagoge durch einen Umbau dem einheitlichen Baucharakter des Weinhofes anzupassen.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge am Weinhof von SA-Leuten in Zivil an mehreren Stellen gleichzeitig in Brand gesteckt. Das Gebäude, das durch den Brand hauptsächlich im Innern schwer beschädigt war, wurde noch im selben Jahr abgerissen. Pläne für ein NS-Gebäude auf dem Synagogengelände wurden nicht mehr realisiert, aber stattdessen ein betonierter Löschwasserbehälter zur Brandbekämpfung im Bombenkrieg gebaut.
1958 wurde das Gelände mit einem Gebäude der Kreissparkasse neu bebaut (Grundstück Neue Straße 66). An der dem Weinhof zugewandten Seite wurde eine Gedenktafel angebracht. 1988 wurde zusätzlich ein Denkmal für die ehemalige Synagoge und die aus Ulm deportierten jüdischen Personen im Weinhof aufgestellt. 2012 wurde das Gebäude der Kreissparkasse abgebrochen. 2011/12 wurde auf einem Nachbargrundstück am Weinhof die neue Synagoge erbaut.



