Israelitische Fürsorge-Erziehungsanstalt für Jungen

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100
Kategorie
Adresse

Nr 34
West Pomeranian Voivodeship
78-316 Rzepczino
Polen

Früherer Straßenname
Repzin
Koordinate
53.69996, 15.819799

<p>Die israelitische F&uuml;rsorge‑Erziehungsanstalt in Repzin wurde 1901 im Schloss des pommerschen Dorfes Repzin (heute Rzepczyno, Polen) gegr&uuml;ndet. Finanziert durch den Berliner Kaufmann Eugen Rosenstiel und unter der &Auml;gide des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes sollte sie j&uuml;dischen Jungen aus dem gesamten Deutschen Reich eine konfessionelle F&uuml;rsorgeeinrichtung bieten. Die Jugendlichen kamen meist per Gerichtsbeschluss oder auf Initiative ihrer Eltern dorthin; sie waren zwischen etwa sechs und einundzwanzig Jahre alt und reichten vom &bdquo;schwierigen&ldquo; Kind bis zum bereits straff&auml;llig Gewordenen.</p><p>Das Konzept verband schulische Bildung mit praktischer Ausbildung: In Werkst&auml;tten wie Schusterei, Tischlerei und Schneiderei sowie in Landwirtschaft und G&auml;rtnerei sollten die Jungen auf ein einfaches Berufsleben vorbereitet werden. Gleichzeitig erhielten sie Unterricht in Allgemeinbildung, Religion und Hebr&auml;isch. Der Tagesablauf war streng strukturiert: sehr fr&uuml;hes Aufstehen, hauswirtschaftliche Dienste, lange Arbeits‑ und Lernzeiten, wenig Freizeit. Die materiellen Bedingungen waren einfach bis hart &ndash; Schlafs&auml;le, Strohs&auml;cke, wenig warmes Wasser, karge, aber koschere Verpflegung. K&ouml;rperliche Z&uuml;chtigung galt &ndash; wie damals &uuml;blich &ndash; als legitimes Erziehungsmittel.</p><p>Von Beginn an litt die Anstalt unter schwerwiegenden strukturellen Problemen. Das abgelegene, baulich problematische Schloss, die chronische Unterfinanzierung, der hohe Aufwand f&uuml;r koschere Versorgung sowie der Mangel an qualifiziertem und dauerhaftem Personal machten den Betrieb schwierig. Hinzu kamen Kompetenzkonflikte zwischen staatlicher Schulaufsicht, Rabbiner, Berliner Kuratorium und Heimleitung. Die Zusammensetzung der Jungengruppe f&uuml;hrte zudem zu h&auml;ufigen Konflikten, Fluchten und einzelnen Straftaten. Der langj&auml;hrige Leiter&nbsp;Adolf Baronowitz und seine Frau Else wurden 1929 abgesetzt,&nbsp;das Heim 1930 geschlossen&nbsp;und die Einrichtung nach Berlin verlegt.</p>

Ereignisse
Beschreibung
Ankauf des Gutshauses durch Eugen Rosenstiel
Ereignis
Datum Von
1901-04-12
Datum bis
1901-04-12
Datierung
12.04.1901
Epoche universalgeschichtlich
Ereignis
Datum Von
1901-05-01
Datum bis
1901-05-01
Datierung
01.05.1901
Epoche universalgeschichtlich
Beschreibung
Übernahme der Leitung durch Adolf Baronowitz
Datum Von
1903-04-01
Datum bis
1903-04-01
Datierung
01.04.1903
Epoche universalgeschichtlich
Beschreibung
Verlegung nach Berlin
Ereignis
Datum Von
1930-01-01
Datum bis
1930-12-31
Datierung
1930
Epoche universalgeschichtlich
Medien
Das ehemalige israelitische Erziehungsheim für Jungen in Repzin
Aufnahmedatum
2025
Fotografiert von
Julia Henke
Julia Ahnenblog
Bildquelle (Woher stammt das Bild)
eigene Aufnahme
Breite
4032
Höhe
3024
Lizenz
CC BY-SA 4.0
Literatur
Prestel, Claudia, Jugend in Not, Fürsorgeerziehung in deutsch-jüdischer Gesellschaft (1901-1933), Wien, Köln, Weimar 2003
Stern, Julius, Zur Geschichte der jüdischen Fürsorgeerziehung in Deutschland, in: Menorah, Heft 11-12, November 1932, S. 484 ff.
Stern, Heimann, Warum hassen sie uns eigentlich? Jüdisches Leben zwischen den Kriegen, Düsseldorf 1970
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