Vilniaus G. 72a
Šiauliai
76283 Šiauliai
Litauen
<p>Šiauliai war einst eine überwiegend jüdische Stadt und ein Zentrum der Lederindustrie mit Weltruf. Die Lederfabrik von Chaim Fraenkel dominierte die Stadt.</p><p>Im Alter von nur 25 Jahren hatte er Ledergerbereien in Šiauliai gekauft und errichtete am Kulpė-Bach Ziegelgebäude für die zukünftige Fabrik, die bis heute erhalten geblieben sind. Die Fabrik florierte schnell und verarbeitete bereits 1901 100.000 Häute pro Jahr. Der Erfolg war darauf zurückzuführen, dass Frenkel stets an Innovationen interessiert war und nach besseren Möglichkeiten zur Lederverarbeitung suchte. Als er die Fabrik kaufte, erfolgte die gesamte Produktion noch manuell. Doch wenige Jahre später wurden Lederverarbeitungsmaschinen in der Fabrik installiert und der erste Stromgenerator in Šiauliai in Betrieb genommen. Der Industrielle war nicht nur in Litauen, sondern in ganz Russland der erste, der Holz aus Südamerika für die Gerbung importierte. Auch Fraenkels Sohn Jacob, der an der Universität Berlin Chemie studiert hatte, trug zur Modernisierung des Unternehmens bei. Die Leder der Fraenkel-Fabrik wurden auf den Weltausstellungen in Paris und Brüssel für ihre geschickt eingesetzte moderne Technologie mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.</p><p>Der Beginn des 20. Jahrhunderts war die Blütezeit der Fraenkel-Fabrik. Vor dem Ersten Weltkrieg bestand die Fabrik aus 48 Backsteingebäuden und beschäftigte etwa 1.000 Arbeiter. Dank des Erfolgs der Fabrik wurde Šiauliai zu einem der größten Zentren der Lederindustrie weltweit und Fraenkel zu einem der reichsten Menschen Litauens. Er teilte seinen Reichtum großzügig mit anderen, gründete und unterhielt das Altenheim von Šiauliai und eröffnete das erste Stadtkrankenhaus von Šiauliai. Auch die jüdische Gemeinde vergaß er nicht: Er baute und unterhielt eine religiöse jüdische Schule für Jungen und später eine Schule für Mädchen und half bei der Beschaffung von Räumlichkeiten für das jüdische Gymnasium von Šiauliai. Auch sein Sohn Jacob wurde zum Mäzen: Er unterstützte kulturelle, bildungspolitische und soziale Projekte eines unabhängigen Litauens.</p><p>Der erfolgreiche Betrieb der Fabrik und das ruhige Leben der Familie Fraenkel wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, der 1914 begann. Die Fabrik wurde geschlossen, die Familie zog nach Russland und später nach Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach Šiauliai nach dem Krieg nahm Jacob Fraenkel die Produktion wieder auf, aber sein Erfolg aus der Vorkriegszeit hielt nicht an. Chaim Fraenkel, der Gründer der Fabrik, starb 1920, und der Zweite Weltkrieg setzte dem Lederimperium der Fraenkels ein Ende.</p><p>Mehr über die Geschichte der Fabrik und der Familie Frenkel kann im nebenan gelegenen Museum in der Villa der Familie Frenkel erkundet werden.</p>
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