Volkershausener Str. 21
bayern
97711 Maßbach
Deutschland
<p>Um 1883 erwarb der Metzger Lazarus Strauß das Haus Nr. 112 in Maßbach. Er war am 25. Februar 1858 in Maßbach geboren, Sohn des Metzgermeisters Nathan Strauß aus Oberlauringen und dessen Frau Rachel geb. Themar aus Haus Nr. 90. Seine Ehefrau Rebekka Hubert, geboren am 19. Dezember 1862 in Cronheim bei Gunzenhausen, zog mit ihm in das neu erworbene Haus ein.</p><p>In HN 112 kamen ihre drei Kinder zur Welt: Joseph Eugen (4. Dezember 1885), Siegfried (15. Juli 1892) und Rosa (21. Juni 1901). Über viele Jahre war das Haus Mittelpunkt des Familienlebens. Lazarus betrieb sein Metzgerhandwerk, Rebekka führte den Haushalt und erzog die Kinder.</p><p>1911 veräußerte die Familie das Haus und zog in das Mietshaus Nr. 86. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeit belasteten die Familie schwer; 1914 geriet Lazarus Strauß in Konkurs. Am 8. August 1919 starb er im Alter von 61½ Jahren. Seine Witwe Rebekka lebte danach in sehr bescheidenen Verhältnissen und zog später in das gemeindeeigene Haus Nr. 161, die sogenannte „Judenschule“, in der sich auch die Mikwe befand. Dort verbrachte sie ihren Lebensabend, traf sich gelegentlich mit Nachbarinnen zum Kaffeekränzchen und blieb bis ins hohe Alter fest in die Dorfgemeinschaft eingebunden.</p><p>Das Schicksal der Kinder führte in verschiedene Richtungen: Siegfried starb 1935 in Stuttgart im Alter von nur 43 Jahren, Joseph Eugen zog nach München und wurde 1942 deportiert und ermordet. Rosa emigrierte in die USA, lebte in New York und nannte sich später Rosel Royce. Sie war die einzige Überlebende der Familie.</p><p>Vor dem letzten Wohnort von Rebekka Strauß erinnert heute ein Stolperstein an sie und an die jüdische Geschichte von Haus Nr. 112, das über Jahrzehnte hinweg ein stilles Zeugnis jüdischen Familienlebens in Maßbach war.</p>
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