Bäckergasse 1
Bavaria
97711 Maßbach
Deutschland
<p>Hundert Jahre lang befand sich das Haus Nr. 90 in jüdischem Besitz. 1840 erwarb es der jüdische Metzger Isak Themar durch Tausch von der Witwe Margaretha Dellert. Mit seiner Frau Mirjam geb. Blum und der bereits 1828 geborenen Tochter Rebekka zog er hier ein. Rebekka bekam 1850 in Maßbach ihren Sohn Jakob (Ignatz Themar) und heiratete 1857 den Metzger Nathan Strauß aus Oberlauringen. In HN 90 wurden ihre Kinder Lazarus (1858) und Karolina, genannt Lina (1860), geboren.</p><p>Karolina heiratete 1891 den Handelsmann Samuel Simon Nussbaum aus Mittelsinn. Mit ihm lebte sie in HN 90, wo 1893 die Tochter Recha und 1900 die Tochter Betty geboren wurden. Simon Nussbaum war Viehhändler und führte mit seiner Familie ein bescheidenes Leben. Nach dem frühen Tod seiner Frau Lina 1919 und der schwierigen Wirtschaftslage nach dem Ersten Weltkrieg musste er allein für seine beiden Töchter sorgen. Oft reichte das Geld nur für einen Salzhering und Kartoffeln – die manchmal sogar mit dem Nachbarskind geteilt wurde. Viele erinnerten sich an den zierlichen Simon, wie er gemeinsam mit dem kräftigen „Joukufsmax“ bei den Bauern Hasen- und Ziegenfelle aufkaufte. Auch mancher Dorfscherz blieb unvergessen, etwa als ihm die Jugend eine Strohpuppe mit dem Schild „Der Nusser sonnt sich!“ aufs Dach setzte.</p><p>Recha zog später nach Frankfurt und heiratete Leopold Rothschild. Betty wurde Modistin und verkaufte ihre Hüte an die Maßbacher Damen. 1937 heiratete sie den Vertreter Sigmund Kahn. Am Abend des Nov. 1938 stand Simon Nussbaum vor dem Haus seiner Nachbarn Familie Ames und bat: „Lasst uns hier, die da draußen machen mein ganzes Haus kaputt und schlagen uns tot!“ Die ganze Nacht saß sie verstört in der Stube auf dem Sofa, während der Mob ihr Hab und Gut, ihre ganze Existenz, zerstörte. Simon sah für sich und Betty keine Zukunft mehr in Maßbach. Bin 12. Dez. 1938 verließen sie ihr Maßbach und hofften in der Großstadt Frankfurt untertauchen zu können. Allerdings konnte niemand der Familie der Shoa entkommen.</p>
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