Marktplatz 2
Bavaria
97711 Maßbach
Deutschland
<p>Wolf Lazarus Rosenstein (1779–1857), Vieh- und Spezereihändler, heiratete 1825 zum zweiten Mal Gidel (1797–1835) und erwarb 1826 von Feibel Süßmann Strupp das Haus Nr. 26 für 250 Gulden. Dort lebte die Familie, und dort wurden ihre Kinder geboren: Regina (1829), Gerson (1830–1840), Aron (1832; 1849 wegen Wirtshausbesuchs bestraft) und Nanny (1834–1834). Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete Wolf 1836 Sara Salzer (1795–1865). Auch aus dieser Ehe gingen in Haus Nr. 26 mehrere Kinder hervor: Jakob (1836–1838), Lazarus (1838–1853, Sonntagsschüler), Meyer (1839–1840), Feibel (1841–1853) und Lea (1843–1853). Wolf Rosenstein starb 1857 in Haus Nr. 26.</p><p> </p><p> </p><p>Später war Freudenthals Tochter Johanna mit Jakob Eberhardt dort verheiratet. Ihr Sohn Max Eberhardt, 1877 geboren, Vieh- und Fellhändler, im Dorf als „Joukufsmax“ bekannt, heiratete 1906 Johanna Heumann aus Hoffenheim. Das Paar wohnte in seinem Elternhaus Nr. 26, wo die Töchter Hilde (September 1909) und Gertrud (August 1913) geboren wurden. Mit dem Kriegsausbruch 1914 wurde Max 1916 zum Bayerischen Fußartillerie-Regiment eingezogen und nahm an Kämpfen in den Vogesen, an der Somme, in Verdun und in der Champagne teil; im Mai 1918 kam er ins Lazarett Nr. 503. Tochter Hilde besuchte die Schule bei Lehrer Freudenberger, absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester, arbeitete in Stuttgart und konnte mit ihrem Mann Bernd Baum aus Höchst nach New York fliehen – als einzige Überlebende der Familie.</p><p> </p><p> </p><p>Durch Wirtschaftskrise und nationalsozialistische Repressionen verarmte die Familie; vom Handel mit Hasenfellen lebten sie notdürftig, bis Max 1938 wie allen Juden der Handel verboten wurde. 1941 wurden die letzten Maßbacher Juden in Haus Nr. 26 einquartiert. Im Juli 1942 wurden Max, seine Frau Johanna geb. Heumann und seine Schwester Marianne deportiert. Max starb in Würzburg, die beiden Frauen in Theresienstadt. Im selben Jahr „bestätigten“ die letzten jüdischen Männer des Ortes, Sigmund Max Eberhardt und David Frank, ihre Einwilligung zum Verkauf des Hauses an Karl Geiling.</p>
Sigmund Max Israel Eberhardt
Maßbach
David Isr Frank Vertrauensmann
Israelitische Kultusgemeinde Maßbach Unterfranken
Dieses Dokument vom 2. Juli 1942 - mit den beiden Unterschriften von Sigmund Max Eberhardt und David Frank - ist das letzte Zeugnis der israelitischen Gemeinde in Maßbach. Schon am 14. Juli 1942 wurden die letzten 6 Maßbacher Bürger jüdischen Glaubens zur "Wohnsitzverlegung" nach Würzburg gebracht und von dort deportiert. Nur Sigmund Max Eberhardt nicht. Er war am 26. Juli 1942 in Würzburg gestorben und wurde auch dort begraben.
(Dokument erhalten von Klaus Bub)
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