Tabbertstraße 12
Berlin
12459 Berlin
Deutschland
<p>Alice Ruth Feldmann wird am 24.12.1899 als siebte und jüngste Tochter von Sophie und Simon Feldmann geboren. Ihre Eltern betreiben eine erfolgreiche Garnfärberei. Diese ist zuerst in der Stralauer Strasse 41 in Berlin Mitte angesiedelt. Im Jahre 1897 kauft ihr Vater ein Gelände in Oberschöneweide, das Ausflugslokal „Tabbert´s Waldschlösschen“ und angrenzendes Terrain. Er möchte seine Fabrik vergrößern und so wird Ruth, wie sie fortan gerufen wird, als einzige der Geschwister in Oberschöneweide geboren. Der Vater Simon engagiert sich in der Gemeindevertretung und wirkt hier unter anderem als Schöffe. Sein Unternehmen ist äußerst erfolgreich und so wachsen die Kinder in sehr guten wirtschaftlichen Verhältnissen auf.</p><p>So erlernte auch Ruth einen Beruf und arbeitete als Büroangestellte. Sie war lungenkrank, auch das nichts Ungewöhnliches. Die Luft im Ortsteil war sicherlich nicht gesundheitsfördernd. Sie blieb bis zu ihrem Tod unverheiratet und wohnte bei ihren Eltern in der Tabbertstraße 14.</p><p>Ruth war von den Verfolgungen und Diskriminierungen, denen Jüdinnen und Juden spätestens ab 1933 ausgesetzt waren, nicht verschont. Das Haus in der Tabbertstraße, in dem sie mit ihrer Mutter und anderen Verwandten, wohnte, wurde seit der Stilllegung der Fabrik nicht mehr richtig geheizt. Im Herbst 1939 brachen bereits die Wasserleitungen wegen der Kälte und warme Bekleidung war Mangelware. Jüdinnen und Juden mussten seit 1935 alle Pelzwaren und wollene Bekleidung abgeben. Es war ihnen nicht erlaubt, Textilien zu kaufen. Wovon auch, Konten waren eingefroren worden und von normaler Erwerbsarbeit waren sie ausgeschlossen. Das war für die lungenkranke Ruth sicherlich keine einfache Zeit. Nach dem Tode ihres Bruders Fritz verließ sie ihr Krankenlager nicht mehr. Auch der Versuch sie zu retten und zur Schweiz zur Behandlung zu schicken schlug fehl. Es gab die Möglichkeit, dass sie einen gutwilligen Holländer hätte heiraten können um dadurch Schutz zu erhalten. Sie war aber längst nicht mehr in der Lage, mit der Eisenbahn transportiert zu werden.</p><p>Ihr Onkel Willi Neumann Wagner beschreibt in seinen Memoiren, dass es ihm gelang, Ruth durch die Freundlichkeit von Professor Umber im Oktober 1939 im Westhospital in der Joachimsthaler Strasse 20 in Berlin Charlottenburg unterzubringen. Das war ein großes Glück und zeugt von der Zivilcourage des Professors, denn um diese Zeit durften Jüdinnen und Juden nicht in einem deutschen oder arischen Krankenhaus behandelt werden. Trotz der guten und liebevollen Pflege, die sie hier genießen durfte starb Ruth am 12.November 1939 an Lungentuberkulose und Erschöpfung.</p>
Es war ihr Zuhause - Juden in Köpenick Gerd Lüdersdorf
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