In den Jahren 1933 bis 1945 wurde jüdisches Leben im Frankfurter Ostend systematisch zerstört. Stadtverwaltung und meist Geheime Staatspolizei entrechteten, verfolgten und deportierten die im Viertel lebenden Jüdinnen und Juden; die meisten wurden in der Schoa ermordet. Und doch nahm unmittelbar nach der Befreiung Frankfurts im Frühjahr 1945 jüdisches Leben im Ostend wieder seinen vorsichtigen, wenn auch fragilen Neuanfang. Nur wenige der mehr als 10.000 ab 1941 aus der Stadt deportierten Jüdinnen und Juden kehrten mit Hilfe von Militärbehörden und Stadtverwaltung aus den Lagern nach Frankfurt zurück; sie waren krank und entkräftet, viele starben in den nächsten Wochen und Monaten an den Folgen der Haft. Ein provisorisches Obdach für die Rückkehrenden bot unter anderen das schwer beschädigte ehemalige Israelitische Krankenhaus in der Gagernstraße. Zu ihnen gehörte auch Leopold Neuhaus, der von der US-Militärverwaltung zum Beauftragten für jüdische Angelegenheiten bestellt und mit der Gründung einer Jüdischen Gemeinde betraut wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Neuhaus als einziger Rabbiner seine frühere Tätigkeit in Deutschland wiederaufgenommen. Ab November 1945 fungierte er als Vorsitzender eines provisorischen Gemeindevorstands; erster Sitz dieses Gremiums war der frühere Oppenheimersche Kindergarten, Baumweg 5-7, wo auch bereits Gottesdienste gefeiert werden konnten. Neben den Frankfurter*innen jüdischer Herkunft hielten sich bald mehrere Hundert Jüdinnen und Juden aus Osteuropa in der Stadt auf; die meisten waren aus Polen vor neuerlichen Pogromen geflüchtet. Einige von ihnen schlossen sich zum „Zentralkomitee der befreiten Juden in Frankfurt am Main“ zusammen. Nach Auflösung des nahegelegenen DP-Lagers Zeilsheim im November 1948 erhielten etwa 200 dort zurückgebliebene „displaced persons“ eine Zuzugsgenehmigung für die Stadt Frankfurt. Im April 1949 stand der Gründung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt nichts mehr im Wege. Bereits am 10. März 1949 war der Gemeinde mit seinerzeit etwa 800 Mitgliedern der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt worden. Heute ist das Ostend ein Stadtteil des Erinnerns an die Vernichtung der Israelitischen Gemeinde und der Israelitischen Religionsgesellschaft. Offizielle Gedenkorte und eine Vielzahl von „Stolpersteinen“ im Viertel gemahnen an die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohner*innen.
Philipp-Holzmann-Weg
60314 Frankfurt
Deutschland
Philipp-Holzmann-Weg
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Mitte der 1920er Jahre entwarf der Architekt Martin Elsaesser die Großmarkthalle; 1928 wurde das imposante Bauwerk feierlich von Oberbürgermeister Ludwig Landmann eröffnet. Die Halle war bautechnisch auf höchstem Niveau für den modernen Handel und den reibungslosen Umschlag von Obst und Gemüse konzipiert: mit praktischen Laderampen, großzügig dimensionierten Kühlkellern, Bahnanschlüssen mit überdachten Gleisen und einem eigenen Befehlsstellwerk. Auch Jüdinnen und Juden betrieben dort ihre Geschäfte; viele der Händler*innen wohnten in unmittelbarere Nähe des Großmarktes. So etwa unterhielten die Gebrüder Oppenheimer einen Kartoffel- und die Geschwister Grünebaum einen Obst- und Gemüsestand in der Großmarkthalle. Rebekka Grünebaum (verheiratete Ettlinger) verantwortete die Buchhaltung. Nach dem Novemberpogrom 1938 musste der Handel eingestellt werden. Rebekka Grünebaum wurde in der Schoa ermordet, der Todesort ist unbekannt. Geheime Staatspolizei und NSDAP-Gauleitung mieteten ab 1941 den östlichen Kellerbereich der Großmarkthalle als Sammelplatz zur Durchführung der Deportationen an. Der Keller bot Schutz vor neugierigen Blicken auf das Verbrechen und notdürftig Platz für die vielen Hundert gepeinigten Frauen, Männer und Kinder. Sie wurden durch das eingesetzte Personal gedemütigt, körperlich misshandelt und – letzter Habseligkeiten beraubt – an das der Halle vorgelagerte Gleisfeld gezwungen. Dort standen die Züge der Deutschen Reichsbahn für die Transporte in den Tod bereit. Auf dem Gelände ging der Marktbetrieb weiter. Von Oktober 1941 bis September 1942 – wurden mehr als 10.000 Personen in zehn Massendeportationen gewaltsam in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Bis zum März 1945 folgten weitere kleinere Transporte von hier oder anderen Sammelplätzen, wie dem nahegelegenen Ostbahnhof; meist waren jetzt Angehörige aus konfessionell gemischten Familien von der Deportation betroffen. Seit 2015 zählt die „Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle“ zu den Stätten der Frankfurter Gedenkkultur; das Areal gehört heute der EZB. „Unsere Vorstellungskraft versagt vor der Dimension des Grauens“, sagte Salomon Korn, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, am 22. November 2015 bei der Eröffnungsfeier. Nach dem Entwurf des Architekturbüros KatzKaiser bilden Zitate von antisemitisch Verfolgten und Beobachtenden der Deportationen das grausame Geschehen an der Erinnerungsstätte ab. Eingelassen in den Boden und an Wandflächen folgen die Zitate in ihrer Anordnung einer chronologischen Dramaturgie des Menschheitsverbrechens. Auch mittelbare Ereignisse und Emotionen werden thematisiert: die Selbstmorde von Jüdinnen und Juden im Zusammenhang mit den Deportationen, die Reaktionen der Stadtbevölkerung oder die Reflexion auf den Massenmord in Frankfurt. Zu den Entscheidern des Preisgerichts für den Wettbewerb zählte seinerzeit auch Harry Schnabel (sel. A.), ehemaliges Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Die Führungen organisiert seit 2015 das Jüdische Museum Frankfurt: https://www.juedischesmuseum.de/besuch/fuehrungsangebote/
Rosa-Marx-Weg
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Rosa Marx, geb. Schwab (1888– 1942), kam in Randegg (Baden) zur Welt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Isidor Marx leitete sie ab 1918 die Israelitische Waisenanstalt im Röderbergweg 87, die zu den Wohlfahrtseinrichtungen der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) zählte. Spätestens ab 1935 wurden immer mehr Aufnahmegesuche vor allem von Familien aus dem Umland gestellt. Trotz Überbelegung und materieller Not blieb die Waisenanstalt stets eine der „Inseln menschlicher Wärme“ (Salomon Adler-Rudel). In den Monaten nach dem November-Pogrom 1938 gelang es Isidor Marx, zahlreiche Kinder und Jugendliche nach England, Holland und Frankreich zu retten. Unmittelbar vor Kriegsbeginn kehrte er auf Anraten von Rosa Marx nicht mehr aus Großbritannien nach Frankfurt zurück – und konnte so im Exil überleben. Rosa Marx musste zuletzt Möbel verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Tochter Hanna konnte sich in die USA retten. Rosa Marx wurde vermutlich am 11. Juni 1942 gewaltsam aus Frankfurt „nach Osten“ deportiert und ermordet. Seit 2006 erinnert ein Weg westlich der Europäischen Zentralbank an die couragierte Heimleiterin.
Sonnemannstraße
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Bereits wenige Wochen nach der Machtübernahme am 30. Januar 1933 begann die nationalsozialistische Frankfurter Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Friedrich Krebs damit, Straßen und Plätze umzubenennen. Vor allem die Namen prominenter jüdischer Bürger*innen, Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung und demokratischer Politiker*innen der Weimarer Republik sollten aus dem öffentlichen Raum und Bewusstsein verschwinden. Im Februar 1935 sendete der sogenannte Straßenbenennungsausschuss im städtischen Bauamt an den Oberbürgermeister eine Liste mit „Sofort umzubenennenden Straßen“. Punkt Nr. 6 betraf die Sonnemannstraße, die ab jetzt Max-Eyth-Straße heißen sollte. Die Begründung: „[Leopold] Sonnemann war Herausgeber der Frankfurter Zeitung und als solcher wie auch als Reichstagsabgeordneter scharfer Verfechter des Liberalismus.“ Außerdem war Leopold Sonnemann Jude. An der Straße lagen damals große Liegenschaften des Landwirtschaftlichen Vereins und seit 1928 die Großmarkthalle. Da passte es ideologisch in das Stadtkonzept, die Sonnemannstraße nach dem Ingenieur, Schriftsteller und Zeichner zu benennen, ein Förderer der Landwirtschaft und der Erfinder des Dampfpflugs. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Max-Eyth-Straße wieder nach dem großzügigen Mäzen Leopold Sonnemann benannt.
Paul-Arnsberg-Platz
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Im Jahr 2010 benannte die Stadt Frankfurt am Main einen Platz zwischen Sonnemannstraße und Ostendstraße nach dem Juristen, Journalisten und Historiker Paul Arnsberg (1899-1978); 2011 wurde dort eine Gedenksäule aus Edelstahl für den Namensgeber installiert, gestaltet von dem Bildhauer Clemens M. Strugalla. Ein schlichtes Relief zeigt ein Porträt Arnsbergs mit biografischen Angaben, stilisierte Motive zu vormals jüdischem Leben im Ostend und jüdischen Festen. Paul Arnsberg war 1890 in Frankfurt am Main zur Welt gekommen. Er studierte Jura und wurde 1922 promoviert. Nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Arnsberg aus dem Justizdienst entlassen und flüchtete noch 1933 nach Palästina; 25 Jahre später kehrte er zurück in seine Geburtsstadt. Arnsbergs Leidenschaft galt dem Journalismus und der Geschichte. Bereits in den 1920er Jahren schrieb er für die Frankfurter Zeitung, das Frankfurter und das Jüdische Wochenblatt; außerdem übernahm er die Redaktion des Jüdischen Familienblatts für Wissenschaft, Kunst und Literatur sowie – als engagierter Zionist – der Zionistischen Nachrichten. Von 1919 bis 1933 war er Vorstandsmitglied der Frankfurter Zionistischen Vereinigung und 1925/26 deren Vorsitzender. Von 1931 bis 1933 wirkte Arnsberg als Mitglied in der Gemeindevertretung der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Im Exil heiratete er Rosl Abramowitsch; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. In Israel gründete Arnsberg den landesweit größten Vertrieb für Zeitungen und Bücher. 1958 kehrte Arnsberg nach Frankfurt zurück und arbeitete wieder als Journalist, ab 1960 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er war Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde und bemühte sich um die Verständigung zwischen Deutschen und Juden. Als Historiker wurde Arnsberg vor allem durch seine Dokumentationen zur Geschichte der Juden in Frankfurt und Hessen bekannt. Pauls Arnsberg starb 1978. Im Gedenken an die Eheleute lobt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft seit 2008 alle zwei Jahre den Rosl und Paul Arnsberg-Preis zur Erforschung jüdischen Lebens in Frankfurt am Main aus.
Rückertstraße 9 (heute: Rückertstraße 49)
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Im Jahr 1877 gründete Charlotte Speyer, geb. Stern, in Erinnerung an ihren verstorbenen Ehemann Philipp Speyer das Mädchenstift (Philipp und Charlotte Speyersche Stiftung). Die Einrichtung in der Rückerstraße 9 (später Hausnummer 49) bot 22 Frauen Platz und sollte „jungen berufstätigen Mädchen Häuslichkeit und Familie“ geben. Um 1935 wurde die Stiftung als „Jüdisches Lehrlingsheim“ der Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe angeschlossen. Ab 1941 diente das Gebäude als „jüdisches Altersheim“. Nach den November-Pogromen waren viele ältere Menschen aus dem hessischen Umland nach Frankfurt gezogen. In der anonymen Großstadt erhofften sie sich Schutz und Chancen, sich doch noch retten zu können. Am 18. August 1942, bei der siebten Massendeportation, wurden die mehr als 40 hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Das Gebäude wurde im Krieg zerstört oder nach 1945 abgerissen.
Ostendstraße 15
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
In Andenken an den Frankfurter Bankier Zacharias Wertheimber wurde 1888 eine gleichnamige Stiftung ins Leben gerufen. Zweck der Stiftung war laut Statut „die Errichtung und Dotirung einer Synagoge und einer Lehrstiftung in Frankfurt a.M.“. Die zu erbauende Synagoge sollte den Namen Klaus-Synagoge tragen. Begrifflich angeknüpft wurde damit an eine gleichnamige Synagoge, die 1680 von den Vorfahren Zacharias Wertheimbers' errichtet worden war und sich ab 1711 in der Frankfurter Judengasse befunden hatte. Diese ursprüngliche Klaus-Synagoge wurde im Zuge der Neubebauung der Judengasse 1875 abgebrochen. Mit Hilfe des Stiftungskapitals konnte das Gebäude in der Ostendstraße 15 im Jahr 1902 vollendet werden. Der Betsaal verfügte über eine Kapazität von 70 Sitzplätzen für Männer und 56 für Frauen. Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich neben der Betstube auch ein Lehrraum und eine Hebraica-Bibliothek. Als besonderes Anliegen der Stiftung galt die unentgeltliche Förderung „unbemittelter jüdischer Kinder“ in jüdischer Religion, hebräischer Sprache, aber auch in säkularen Lehrfächern. Das Stiftungsstatut verlangte zudem die tägliche Abhaltung eines Gottesdienstes. Des Weiteren sollte das „Selbststudium in den Fächern der jüdischen Religionswissenschaft“ allen Interessierten ermöglicht werden. Die Stiftung fühlte sich dem orthodoxen Judentum verpflichtet und stand der Israelitischen Religionsgesellschaft nahe. Laut Paul Arnsberg wurden die Gottesdienste in der „Klaus“ ab 1919 von Rabbiner Josef Breuer (1882-1980) durchgeführt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge „durch Brand völlig zerstört und auch das gesamte übrige Gebäude beschädigt“. Ein Mob warf Gebetbücher und Kultgegenstände auf die Straße. Acht Torarollen sowie die Bibliothek mit ca. 500 Bänden wurden zerstört. Die Liegenschaft wurde 1941 von den Eheleuten Reinhold und Antonie Betz unter Wert erworben. Den Wertverlust begründete der Notar mit Verweis darauf, dass die Synagoge im November 1938 verwüstet wurde. Den Mitgliedern des Stiftungsvorstandes gelang noch rechtzeitig die Flucht aus dem Deutschen Reich.
Ostendstraße 18
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
„Wer eine östliche Jeschiwah mit all ihrem bunten geräuschvollen Getriebe sehen will, braucht nicht erst die umständliche Fahrt nach Kowno oder Wilna zu machen, man geht die Ostendstraße entlang und bleibt (…) vor dem einfachen Hause stehen, das ein Stück Litauen im besten und jüdischsten Sinne in sich birgt.“ (Der Israelit vom 11. April 1922) Rabbiner Mosche Schneider gründete die Jeschiwa in der Ostendstraße 18 im Jahr 1917. Er war litauischer Herkunft und hatte seine Ausbildung in Wilna (heute: Vilnius) und Woronowo erhalten. Zunächst diente die Lehranstalt der religiösen Unterweisung jüdischer Flüchtlingskinder aus den osteuropäischen Ländern. Später wurden auch Schüler deutscher Herkunft aufgenommen. Die Jeschiwa wuchs im Laufe der Jahre auf etwa 70-80 Bachurim [Talmudschüler, Anm. d. Verf.] an. Im Jahr 1929 werden als Lehrer neben Mosche Schneider auch die beiden Rabbiner Mosche Karpel und Judelewitz genannt. Zweimal täglich wurde ein mehrstündiger Schiur nach „litauischer Lernmethode“ durchgeführt. In den Jahren 1924 bis 1933 befand sich die Einrichtung immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten, sodass ein Kuratorium gegründet wurde, welches die „Erhebung regelmäßiger monatlicher Beiträge zur Erhaltung und Förderung des Torastudiums“ sicherstellte. Ab Mitte der 1930er Jahre bereiteten sich die Bachurim mit der Absolvierung handwerklicher Kurse auf die Auswanderung nach Palästina vor. 1935 wurde die Lehranstalt in die Rechneigrabenstraße 12 verlegt. Nach dem Novemberpogrom 1938 ging Mosche Schneider mit einem Teil der Schüler nach London, wo er seine Lehrtätigkeit fortsetzte. Am 15. März 1943 wurde die Anschrift Ostendstraße 18 als „Gemeinschaftsunterkunft“ ausgewiesen; in der Phase der Deportationen widmeten die Stadt Frankfurt und die Geheime Staatspolizei ehemalige jüdische Orte der Fürsorge, Bildung und Religionsausübung zu Gewalträumen um.
Hanauer Landstraße 1
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Bäckermeister Aron Mainzer eröffnete im Jahr 1902 die Bäckerei an der Hanauer Landstraße 1. Die Bäckerei erfreute sich bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten großer Beliebtheit – sowohl bei Jüdinnen und Juden als auch bei nichtjüdischer Kundschaft. In den besten Zeiten beschäftigte Aron Mainzer etwa zwölf Arbeiter und Angestellte. Zusätzlich zu Brot und Brötchen wurden freitags Challot, eine Art Hefezopf für den Schabbatabend, sowie Streuselkuchen und Frankfurter Kranz hergestellt. Die Bäckerei Mainzer übernahm auch Großaufträge. So belieferte sie unter anderen das Rothschild-Spital am Röderbergweg, das Gumpertz’sche Siechenhaus und das Israelitische Waisenhaus mit Backwaren. Ab 1933, besonders nach dem April-Boykott, verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation des Familienbetriebs. Die nichtjüdische Kundschaft blieb bald aus. Auch die Großabnehmer bestellten nun kleinere Mengen. In der Pogromnacht im November 1938 wurden die Fensterscheiben der Wohnung und des Ladens eingeschlagen. Im Januar 1939 gab Aron Mainzer das Geschäft auf; er musste die Bäckerei zu einem Erlös weit unter Wert an den „arischen“ Bäckermeister Heinrich Reuschling abtreten. Aron Mainzer, der Ehefrau Ida Mainzer, geb. Rosenbaum und den vier Kindern gelang die Flucht nach Palästina. Die Familie ließ sich in Tel Aviv nieder.
Friedberger Anlage 5-6
60314 Frankfurt am Main
Deutschland
Ab ihrer Gründung 1851 verzeichnete die neo-orthodoxe Israelitische Religionsgesellschaft einen stetigen Mitgliederzuwachs. Trotz der Erweiterung der Synagoge an der Schützenstraße im Jahr 1873 reichten deren Kapazitäten bald nicht mehr aus. Durch Spenden aus den Reihen der Israelitischen Religionsgesellschaft und von Wilhelm Carl Baron von Rothschild konnte zwischen 1905 und 1907 ein Neubau an der Friedberger Anlage errichtet werden. Mit 1000 Sitzplätzen für Männer und 600 weiteren für Frauen war die Synagoge an der Friedberger Anlage das größte jüdische Gotteshaus der Stadt. Neben neoromanischen Formen zitierten die Architekten Jürgensen & Bachmann orientalisch-maurische sowie Jugendstilmotive. Die Bima befand sich dem orthodoxen Ritus entsprechend im Zentrum des langgezogenen Synagogenraumes. Frauen und Männer betraten das Gebäude über je eigene Eingänge; die Frauen nahmen auf der Empore Platz. Als Rabbiner wirkte bis zu dessen Tod im Jahr 1926 Salomon Breuer. Sein Nachfolger wurde Josef Jona Horovitz, der die Schoa in den USA überlebte. Die Synagoge an der Friedberger Anlage wurde in den Morgenstunden des 10. November 1938 und den Folgetagen mehrfach in Brand gesteckt. Laut Entschädigungsakte wurden dabei unter anderem 35 Torarollen zerstört. Die Abbrucharbeiten dauerten mehr als sechs Monate. Die Kosten dafür musste die Israelitische Religionsgesellschaft aufbringen. In den Jahren 1942/43 ließ das Deutsche Reich am Ort der abgetragenen Synagoge einen Luftschutzbunker durch Zwangsarbeiter errichten. Vor dem Hochbunker wurde 1988 durch die Stadt Frankfurt eine Gedenkstätte errichtet. Seit 2004 zeigt die Initiative 9. November Ausstellungen im Hochbunker und bietet ein vielfältiges Programm an Veranstaltungen zu den Themen Jüdische Geschichte und Schoa. Auch die vom Jüdischen Museum Frankfurt kuratierte Dauerausstellung „Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel“ befindet sich im Gebäude. Öffnungszeiten und weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Jüdischen Museums https://www.juedischesmuseum.de/besuch/hochbunker-friedberger-anlage/.
Friedberger Anlage
(1947-2023 Taunusanlage)
60313 Frankfurt am Main
Deutschland
Die Stadt Frankfurt am Main realisierte das erste Heine-Denkmal im Deutschen Reich. Im Juni 1910 hatte sich unter dem Vorsitzenden der Frankfurter Freien Literarischen Gesellschaft Paul Fulda das „Comité zur Errichtung eines Heine-Monumentes“ in Frankfurt gegründet; auf Wunsch des Gremiums sollte das geplante Kunstwerk explizit den Dichter und nicht den Revolutionär Heinrich Heine würdigen. Den Auftrag zur Umsetzung erhielt der Bildhauer Georg Kolbe. Schon im Vorfeld hatten antisemitische Anfeindungen die Einweihung des Denkmals „Tanzender Jüngling“ am 13. Dezember 1913 zum 116. Geburtstag Heinrich Heines in der Friedberger Anlage, unmittelbar bei der 1907 fertiggestellten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, begleitet. Im Jahr 1923, nach dem „Hitler-Putsch“ in München, wurde das Denkmal von Unbekannten mit einem Hakenkreuz beschmiert. Im April 1933 stürzte ein Mob das Kunstwerk vom Sockel. Laut einem Artikel im „Frankfurter Generalanzeiger“ wurde die bronzene Figurengruppe brachial mit einem Stemmeisen gelöst und sollte alsdann ins Völkerkundemuseum (sic!) gebracht werden. Getarnt unter dem Namen „Frühlingslied“ überdauerte das leicht beschädigte Kunstwerk die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs im Garten des Städel-Museums. Am 14. Dezember 1947 wurde das Denkmal zum 150. Geburtstag Heinrich Heines wieder aufgestellt – allerdings nicht mehr in der Friedberger Anlage, sondern in der stadttopografisch gegenüberliegenden Taunusanlage. Es erhielt einen neuen Sockel und ein Porträtrelief mit dem Schriftzug „Heinrich Heine“. Die Einweihung übernahm Oberbürgermeister Walter Kolb. Im Dezember 1964, zur Zeit des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses, verübten Unbekannte einen Anschlag auf das Heine-Denkmal; das Profilbildnis auf dem Sockel wurde mit Gips zugeschmiert. Am 20. September 2023 kehrte das Heine-Denkmal zurück in die Friedberger Anlage – ganz in die Nähe seines ursprünglichen Standortes. Die 110jährige Odyssee ging mit einem beeindruckenden Festakt, organisiert von der Initiative 9. November e. V., zu Ende.
Seilerstraße 34
Friedberger Anlage
60313 Frankfurt am Main
Deutschland
Das Stammhaus des Café Milani befand sich ab 1848 am Roßmarkt. Inhaber war der italienische Einwanderer Christian Joseph Milani. Zur Zeit der Nationalversammlung 1848/49 entwickelte sich das vornehme Kaffeehaus zum Treffpunkt der rechtskonservativen Fraktion. Milani gelang es zudem, das in den Frankfurter Wallanlagen gelegene Bethmann’sche Museum zu pachten und dort ebenfalls eine Gastronomie zu betreiben. Ab 1853 trug das Café den Namen Kursaal Milani. In seinem Aufsatz „Treffpunkt der Juden: das Kaffeehaus“ aus dem Jahr 1970 schildert der Frankfurter Jurist und Historiker Paul Arnsberg (1899-1978) die Nutzung der Lokalität: „So entstand in der Promenade der Friedberger Anlage der Kursaal Milani. Dieser Kursaal Milani, in dem sich heute das Etablissement ODEON befindet, war viele Jahre Treffpunkt der Ostendbevölkerung, in erster Linie der jüdischen Bewohner des Ostends. Es fanden dort Künstlerkonzerte statt und besonders am Sabbat war das für das ganze 'jüdische Ostend' der Treffpunkt.“ Der Kursaal Milani war das Vereinslokal der Frankfurter Zionistischen Vereinigung. Auch die Jüdische Frauenvereinigung und der Zentralverein israelitischer Gemeindemitglieder hielten ihre Mitgliederversammlungen hier ab. Paul Arnsberg, selbst Vorstandsmitglied der Frankfurter Zionistischen Vereinigung, bezeichnete den Kursaal gar als „Zentrum der Zionistischen Bewegung“. Am 13. Januar 1911 referierte der Frankfurter Zionist Fritz Sondheimer dort zum Thema „Zionismus und Deutschtum“. Aber auch religiöse Gruppen wie der Verein „Tiferes Bachurim“ nutzten das Lokal regelmäßig als Treffpunkt. In den 1920er Jahren erfolgte die Umbenennung in „Ballhaus Odeon“. Heute befindet sich in dem denkmalgeschützten Gebäude eine Cocktail-Bar. Als Jewish Place ist der Ort weitgehend vergessen.
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