Als Ehefrau des Philosophen Moses Mendelssohn (1737-1812) hatte Fromet Mendelssohn, geb. Gugenheim, durch ihren regen Briefkontakt zu Gotthold Ephraim Lessing und Johann Jakob Engel Einfluss auf das kulturelle Leben Berlins. Ihren Mann unterstütze sie in seinen geschäftlichen Korrespondenzen.
Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz
10969 Berlin
Deutschland
Fromet Gugenheim wurde am 6. Oktober 1737 als älteste Tochter des Kaufmanns Abraham Gugenheim und Glückche Mirjam, geborene Kleve, in Altona geboren. Da die Mutter sehr früh verstarb, wuchs sie mit den Geschwistern „Recha, Brendel und Blümchen, […] Joseph und Nathan" bei ihrer Stiefmutter Vogel Gugenheim auf. Fromet Gugenheim entstammte einer traditionsreichen Familie, mit Vorfahren wie dem berühmten Wiener Hofbankier Samuel Oppenheimer (1630-1703). Sie selber galt als „schüchtern, aber witzig, bescheiden, aber selbstbewußt und interessiert an der Literatur", so der Vorsitzende der Mendelssohn-Gesellschaft Thomas Lackmann. 1761 lernte Fromet Gugenheim den berühmten jüdischen Aufklärer und Philosophen Moses Mendelssohn bei seinem Besuch in Hamburg kennen. In einer Briefkorrespondenz zwischen Moses Mendelssohn und dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing teilte er mit, Fromet Gugenheim habe kein Vermögen und sei „weder schön noch gelehrt". Dennoch entsandte der „verliebte Geck" zweimal die Woche Briefe von Berlin nach Hamburg an sie. Auf hochdeutsch und jiddisch in hebräischer Schrift diskutieren sie darin verschiedene Themen. Moses Mendelssohn „möchte gern von jeder Kleinigkeit unterrichtet seyn, die Sie angeht" und fragte in einem Brief am 5. Juni 1961: „Haben Sie sich Rousseau seine Briefe von dem Herr den Castro holen lassen? Haben Sie darin gelesen? Und wie gefällen sie Ihnen?" Dadurch angeregt erlernte Gugenheim die französische Sprache.
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin
Deutschland
Moses Mendelssohn war von seiner „Liebste[n] Fromet" entzückt und schrieb am 29. Mai 1761 „Ich habe niemanden in der Welt mehr zu sagen, als Ihnen, und gleichwohl bin ich jederzeit, wenn ich Ihnen schreiben soll, etwas verlegen." und von Briefen „so voller Zärtlichkeit und wahrer Liebe, daß sie der Kunst unnachahmlich sind, und nit anders als aus dem Herzen fließen können.", gleichzeitig betonte er ihr „sanftmütiges Naturell". Gugenheim traute sich Moses Mendelssohn zu fordern und herauszufordern. Und er erwiderte: „Ihre gar zu große Aufrichtigkeit, liebste Mamsell! scheint sich öfters in einen kleinen Eigensinn zu verwandeln, der zu manchem Mißverständniß Anlaß zu geben pflegt." Fromet und Moses Mendelssohn heirateten am 22. Juni 1762 in Berlin. Entgegen dem Willen des Brautvaters taten sie dies, ohne einen Ehevertrag aufzusetzen, anders als es bei jüdischen Hochzeiten in dieser Zeit üblich war. Es war keine von den Eltern arrangierte Heirat, sondern eine aus wahrhaftiger Liebe. Fromet Mendelssohn passte, so der Sprachwissenschaftler Michael Studemund-Halévy vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden, „mit ihren Begabungen bestens in die Intellektuellenfamilie Mendelssohn hinein".
Spandauer Straße 68
10178 Berlin
Deutschland
Zwischen 1763 und 1782 gebar Fromet Mendelssohn insgesamt zehn Kinder, von denen Brendel (1764-1839), Recha (1767-1831) und Henriette (1775-1831), sowie Joseph (1770-1848), Abraham (1776-1835) und Nathan (1781-1852) das Erwachsenenalter erreichten. Einige Nachkommen der Mendelssohns wurden ihrerseits berühmte Persönlichkeiten, zum Beispiel der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Sohn Abraham Mendelssohns. Fromet Mendelssohn schaffte es einerseits, die Arbeit im Haushalt und die Kindererziehung zu meistern und andererseits, ihrem Mann den Rücken freizuhalten, indem sie Geschäftliches für ihn übernahm, wenn er nicht da war. Auch schilderte sie ihm in Briefen aus der Entfernung, dass alle Kinder „munter und gesund" seien. Als Theaterliebhaberin und Bekannte namhafter Persönlichkeiten konnte sie das kulturelle Leben Berlins in dieser Zeit beeinflussen. Die wenigen Briefe, die von ihr von 1773-1775 erhalten sind, spiegeln auch wider, welche starke Persönlichkeit Fromet Mendelssohn war. Sie bot ihrem Ehemann die Stirn und begegnete ihm auf Augenhöhe. So schrieb sie ihm am 22. Juli 1774: „Du hast noch immer ein großen vollen Brief von mir gehabt, daß er Dir doch aber leer vorkommt, ist nit meine Schuld mein Kind!". Familie Mendelssohn wohnte ab 1762 in einem Haus in der Spandauer Straße 68, stets gut besucht von jüdischen und christlichen Freunden und Gelehrten der Familie. Für diese Besuche teilte Fromet Mendelssohn stets sowohl das Budget als auch die Speisen ein.
Große Hamburger Straße 26
10115 Berlin
Deutschland
Anfang 1786 starb Moses Mendelssohn „als berühmtester Vertreter der jüdischen Aufklärung und Pionier des modernen Judentums". Höchstwahrscheinlich ohne den Gedanken an seinen Tod schrieb Fromet Mendelssohn mehr als zehn Jahre zuvor in einem Brief im Juli 1773: „Leb wol mein bester Mausche leb lang, wie du siehst fehlt es mir nit an Gesellschaft aber ich versicher Dir wann Du nit da bist, is mir das all´s leer! Wenn es Dir nur die Hälfte so schwer ankommen möchte von mir zu sein, als es mir is von Dir zu sein so werden mir gewiß keine Stunde in unsren Leben uns verlassen." Als 48-jährige Witwe konnte Fromet Mendelssohn das gemeinsame Haus aufkaufen und Sohn Joseph gelang es 1795 in diesem Haus das Bankhaus Mendelssohn zu gründen. Dieses blieb bis 1938 bestehen, bevor es von den Nationalsozialisten in die Deutsche Bank eingegliedert wurde. Mit ihrer Tochter Recha Meyer lebte Fromet Mendelssohn fortan im Anwesen der Meyers in Neustrelitz. Nach Meyers Scheidung von Mendel Nathan Meyer gingen Recha und ihre Mutter Fromet Mendelssohn zurück in deren Geburtsstadt Altona. Einen Toravorhang, den Fromet und Moses Mendelssohn zwischen 1774/75 in Auftrag gegeben hatten und der möglicherweise aus ihrem Brautkleid gefertigt wurde, nahmen sie mit. 1805 gelangte er als Schenkung in die große Altonaer Synagoge. Über Brüssel nach New York und zurück nach Berlin: Im Jüdischen Museum Berlin ist er nun als wichtige Quelle vor dem Verfall gesichert.
Königstraße 10a
22767 Hamburg-Altona
Deutschland
Am 5. März 1812 starb Fromet Mendelssohn. Drei Tage später wurde sie auf dem Jüdischen Friedhof in Altona beerdigt. Im Jahre 2009 wurde ihr Grabstein restauriert und nun kann, so Irina von Jagow von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg, „die Grabstätte […] der Stammutter eine der großen deutschen Familien, auf dem Jüdischen Friedhof Altona besucht werden". Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Eva Lezzi merkte an, dass es bisher keine eigenständige Biografie zu Fromet Mendelssohn gäbe. Demnach lassen sich die Informationen über sie fast ausschließlich über die erhaltenen „Brautbriefe" ihres Ehemannes an sie rekonstruieren. Gebündelt finden sie sich immer wieder auch in Informationen zur Geschichte der Familie Mendelssohn. Fromet Mendelssohn und ihr Mann gründeten eine der berühmtesten jüdisch-deutschen Familien, die über viele Generationen wichtige Persönlichkeiten hervorbrachte. Auf dem Friedhof am Halleschen Tor wurden 28 Nachkommen der Mendelssohns beerdigt, die vor allem zwischen 1770 und 1933 das Kulturleben Berlins mitgeprägt haben. Man kann Fromet Mendelssohn also wahrhaftig als „Stammmutter der großen deutschen Familie" bezeichnen.
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